Azitas Zwei-Zimmer-Wohnung liegt direkt über ihren neu eingerichteten Praxisräumen. Sie ist klein, aber auch nach kurzer Zeit schon spürbar bewohnt, ein Rückzugsort, bei dem sich die junge Frau Mühe gegeben hat ihre eigene Persönlichkeit einzubringen. Viele Einrichtungsgegenstände wurden von der alten Vermieterin, die im selben Haus lebt, übernommen. Azita fehlt aktuell schlichtweg das Geld für neue Möbel, aber sie hat den Räumen mit wenigen, sorgfältig gewählten Dingen einen eigenen Ton gegeben.
Das Wohnzimmer wirkt warm und leicht unaufgeräumt. Eine etwas durchgesessene braune Couch steht im Zentrum, darüber eine große, bunte Patchworkdecke, die aus vielen unterschiedlichen Stoffen zusammengenäht wurde. In mehreren Bücherregalen drängen sich Romane aller Genres: Fantasy neben Horror, Krimis neben Lyrik, und ganz hinten, fast versteckt, ein paar Liebesromane. Medizinische Fachliteratur fehlt hier bewusst. In einem der Regalfächer stehen Schallplatten, deren Cover von einem breit gefächerten Musikgeschmack erzählen, allerdings scheint sie Metal und Rock zu bevorzugen. An den Wände Fotografien aus verschiedenen Ländern, die sie bereits hat. Meist Landschaften, dazwischen Poster der Fezzaner Löwen und einiger ihrer Lieblings-Bands. Der einzige deutlich moderne Akzent ist der große Fernseher und ein Plattenspieler, der auch digitale Formate abspielt. Auf dem Couchtisch steht meist eine Kanne Tee mit einem einzelnen Becher, als gehöre dieser kleine Moment der Ruhe fest zum Tagesablauf.
Die Küche ist kaum mehr als eine Nische, so eng, dass man sich darin kaum drehen kann. Dennoch wirkt sie benutzt und geliebt. Scharfe, gepflegte Messer liegen griffbereit, und ein kleines Regal ist überfüllt mit Gewürzen. Das alles zeigt dem aufmerksamen Beobachter, dass Azita gern und mit Hingabe kocht, auch wenn der Platz das nicht gerade leicht macht.
Das Badezimmer ist funktional und schlicht, mit einer kleinen Dusche, davor ein weicher Badteppich, um nicht auf die Fließen treten zu müssen. Auch hier ist nichts überflüssig, aber alles hat seinen Platz.
Im Schlafzimmer dominiert ein 1,60 Meter breites Bett aus dunklem, schwerem Holz. Es wirkt fast wie ein Erbstück aus einer anderen Zeit, verziert mit fein geschnitzten traditionellen Mustern aus Targa. Schwere, dunkle Vorhänge können selbst tagsüber das Licht fernhalten und verleihen dem Raum eine ruhige, abgeschirmte Atmosphäre. Ein großer Kleiderschrank und ein Standspiegel füllen den restlichen Platz. An den Wänden hängen einige schwarz-weiße Fotografien, verschwommene Körperformen, die mehr andeuten als zeigen.